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© Joachim Fontaine

Ehemaliges Kloster / Stift Ss. Cornelius u. Cyprianus, Metelen

Metelen

Am 16. August 889 überreicht der ostfränkische König (und spätere Kaiser) Arnolf der adeligen Frau Friduwi im Kloster Corvey eine Urkunde, in der er ihr gestattet, auf ihrem Grund und Boden ein Kloster zu errichten. Er stattet es mit weitreichenden Privilegien aus, wie der Reichunmittelbarkeit, der Gerichtsbarkeit unter einem königlichen Vogt und der freien Äbtissinnenwahl. Diese Urkunde ist noch heute erhalten.

Der Versuch des münsterischen Bischofs Dodo, die Rechte des Klosters einzuschränken, wird durch eine Entscheidung Otto III., vereitelt. In einer Urkunde vom 25. Januar 993, ausgestellt auf dem Reichstag in Dortmund, werden die Rechte des Klosters bestätigt. Auch diese Urkunde ist erhalten.

Über die Frühzeit des Klosters ist sonst wenig bekannt. Wahrscheinlich lebten die durchweg adeligen Konventualinnen, wie später auch, in eigenen Häusern, den Kurien, die durch einen Kreuzgang miteinander verbunden waren. Zu den Mahlzeiten hatten sie sich jedoch im Refektorium (Speisesaal), und abends im Dormitorium (Schlafsaal), einzufinden. Ansonsten war ihr Tagesablauf wahrscheinlich durch Teile der Aachener Kanonissenregel von 819 und der später angenommenen Augustinerinnenregel vorgegeben.

Die Äbtissinnen waren stets bemüht, die wirtschaftliche Unabhängigkeit des Klosters zu erhalten und zu erweitern. So verfügte der Konvent um 1350 bereits über 100 abgabepflichtige Höfe, die von erbuntertänigen Bauern, einer milderen Form der Leibeigenschaft, bewirtschaftet wurden. Auch im Ort Metelen erlangten die Äbtissinnen weitreichende politische Befugnisse.

1532 erlaubte der Papst den Konventualinnen, den Habit der Augustinerinnen abzulegen und zivile Kleidung zu tragen. Nur zu den Gebetszeiten waren entsprechende Gewänder vorgeschrieben. Das Refektorium und das Dormitorium verloren ihre ursprüngliche Bedeutung. Die nunmehrigen Stiftsdamen lebten, unterstützt von Dienerinnen, vornehmlich in ihren Kurien. Auch wurden zeitlich begrenzte Ausnahmen von der Residenzpflicht genehmigt.

1803 erfolgte die vorläufige Aufhebung des Stiftes im Rahmen des Reichs-Deputations-Hauptschlusses und endgültig 1811.

Die gegen 1130 gegründete und im 13. Jh. erweiterte und mit Domikalgewölben versehene heutige Pfarrkirche Ss. Cornelius u. Cyprianus ist ein imposantes Zeugnis der Kloster- und Stiftszeit. Ihre Ausstattung mit Kunstwerken ist vielfältig und eindrucksvoll. Sie wird in der angeschlossenen Stiftskammer durch liturgische Geräte, Gewänder und Bücher ergänzt. Besondere Schätze sind ein karolingisches Bursenreliquiar und ein Graduale von 1250. Die Kirche verfügt über ein, nur selten erhaltenes, vollständiges Kloster- und Gemeindekirchengeläut.

Weitere Gebäude aus der Stiftszeit sind die östlich der Kirche liegende Neue Abtei von 1720, die Kurie von Oer und das Dormitorium. Gärten und Gebäude befinden sich im Privatbesitz und sind daher nicht zugänglich. Eine Außenansicht ist jedoch vom frei zugänglichen ehemaligen Kreuzgangbereich aus möglich.