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© Thomas Niemand

Ehem. Praemonstratenserinnen Stift Rumbeck Pfarrkirche St. Nikolaus

Arnsberg

Im Jahr 1185 schenkte Graf Heinrich I. von Arnsberg anlässlich seines Regierungsrücktritts seinen Eigen-(Haupt-)hof Rumbeck dem von ihm im Jahr 1170 gestifteten Praemonstratenserstift Wedinghausen in Arnsberg. Dieses hat das Geschenk schon bald zur Gründung eines Frauenstiftes genutzt. Das genaue Gründungsdatum des Rumbecker Praemonstratenserinnen-stiftes, das nach mittelalterlichem Sprachgebrauch und heute noch herrschender Übung »Kloster« genannt wird, steht urkundlich nicht fest. Man kann aber das Jahr 1190 oder ein noch früheres Jahr ansetzen. Die um das Stift gelegene Eigenwirtschaft betrug etwa 700 Morgen Ackerland, Wiesen, Weiden und Bruch. Die Privatwaldungen umfassten rd. 2650 Morgen. Dazu kamen Einnahmen aus 59 Gewinnhöfen, die verstreut im Sauerland und in der Soester Börde lagen.

Die umsichtige Verwaltung der insgesamt 41 Prioren und Pröpste erbrachte einen nicht unerheblichen Wohlstand. Durch die örtliche Lage begünstigt bauten sie sechs Teiche, die eine Korn-, eine Öl- und eine Sägemühle sowie am Zusammenfluss des Baches mit der Ruhr einen Eisenhammer trieben. Zudem unterhielten sie eine Glashütte und eine Pottaschensiederei und errichteten eine bekannte Zwirnfabrik sowie eine angesehene Garn- und Leinwandbleicherei. Trotz mehrerer Plünderungen verfügte das Kloster zum Zeitpunkt seiner Säkularisation (1804) über ein Barvermögen von 3.000 Gulden und Forderungen in Höhe von 39.000 Reichstalern. Es war wirtschaftlich gesund. Die Gebäude waren trotz mancher Kriegswirren nicht vernachlässigt worden. Seit 1519 gibt es zuverlässige Nachrichten über den Stiftskomplex. Um das Jahr 1800 zeigte er nach mehreren Umgestaltungen das Bild eines vierseitig umbauten Rechtecks mit einer Begräbnisstätte als Innenhof.

Die Anzahl der im Stift lebenden Schwestern ist erst aus den letzten Jahrhunderten genau bekannt; im Durchschnitt waren es 20 Chorschwestern, 10 Laienschwestern und 3 Novizinnen. Aufgabe der Chorschwestern war in erster Linie das Lob Gottes in den kirchlichen  Stundengebeten, die auf die Tages- und Nachtstunden verteilt waren. Die übrige Zeit verbrachten die Schwestern in strenger Klausur mit der Herstellung feinster Näh- und Stickarbeiten. Einige schöne Meßgewänder und Altardecken zeugen heute noch von der Kunstfertigkeit der Rumbecker Schwestern. Die Laienschwestern waren vom täglichen Chorgebete befreit und verrichteten vordringlich häusliche Arbeiten.

Unter dem Priorat der letzten Stiftsvorsteherin, Maria Franziska Peters, erfolgte im Jahr 1804 nach fast 615jährigem Bestehen die Aufhebung des Stiftes Rumbeck im Auftrage des Landgrafen Ludwig X. von Hessen-Darmstadt (seit 1806 Großherzog Ludwig I.). Alle Schwestern entschlossen sich zu bleiben und ihr klösterliches Leben fortzusetzen. Sie durften allerdings keine Mädchen oder Frauen mehr aufnehmen. Die letzte Rumbecker Praemonstratenserin starb 1853. Eine Stiftstradition von nahezu 665 Jahren in Rumbeck hatte damit ihr Ende gefunden.